In einer dramatischen Nachtsitzung der EU-Finanzminister von Sonntag auf Montag sind Beschlüsse von extremer Tragweite gefasst worden: Die Länder der Europäischen Union schaffen gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds einen Fonds, der mit 750 Mrd. € ausgestattet wird. Finanziert wird dieser Fonds mit Bürgschaften. Aus dem Fonds können sich hochverschuldete Länder der Europäischen Union wie Griechenland und Italien Kredite geben lassen. Außerdem wird der Europäischen Zentralbank gestattet, am Markt Staatsanleihen zu kaufen.
Der Beschluss zeigt eindrucksvoll, wie stark der Markt und wie schwach die Staaten sind. Bei Einführung des Euro wurde vereinbart, dass kein Land für ein anderes bürgen darf (no bailout-Klausel). Auch wurde der Europäischen Zentralbank wie vorher der Bundesbank verboten, den Staaten Darlehen zu geben. Diese beiden vertraglich vereinbarten Regeln wurden jetzt aufgehoben. Ob der Europäische Gerichtshof und das Bundesverfassungsgericht dies für rechtmäßig erklären werden, ist offen.
Der wichtigere Beschluss ist, dass die Europäische Zentralbank jetzt Staatsanleihen kaufen kann. Die
Geschichte der Staatsverschuldung ist immer wieder auch eine Geschichte der
Inflation. Durch genau diesen Beschluss wird es seit dem Zweiten Weltkrieg erstmals wieder möglich, neues Geld zu erzeugen, um Staatsausgaben zu bezahlen. Im 16. Jahrhundert haben die Fürsten neue, schlechtere Münzen geschlagen, um Geld für ihre Kriege und ihren Luxus zu schaffen. Im 20. Jahrhundert hat man massenweise Geldnoten gedruckt. Der Beschluss von Sonntag Nacht ist im Prinzip dasselbe.
Der akute Zwang zum Sparen lässt nach. Die Inflationsgefahr ist erheblich gestiegen.