Ausland: Europa

Auch die meisten anderen europäischen Staaten sind hoch verschuldet, am höchsten Griechenland, Italien, Portugal, Irland und Belgien.

Beim Vergleich der Staats­verschuldung verschie­dener Länder muss man berück­sichtigen, dass die Volks­wirtschaften verschieden groß sind. Deshalb wird die aufgelaufene Gesamt­verschuldung nicht in absoluten Geld­beträgen verglichen, sondern als "Schuldenquoten" in Beziehung zum Brutto­inlandsprodukt (BIP) gesetzt. Nach den Maastricht-Kriterien für die EURO-Währungsunion darf die Gesamt­verschuldung 60% des BIP nicht übersteigen. - Für den 31.12.2013 nennt die Europä­ische Union folgende Zahlen (Quelle 33):

Euro-Zone gesamt 92,6% Im Jahre 2013 ist die Staats­verschuldung in Europa weiter stark gestiegen. Die Euro-Währungs­union hat sich seit den drama­tischen Ereig­nissen vom 09.05.2010 faktisch zu einer Haftungs­gemein­schaft entwickelt, daher ist heute die Entwick­lung in der Euro-Zone für Deutsch­land wichtiger als die Verschul­dung in Deutsch­land selbst.

Die Staats­schulden in Italien sind mit ca. 2.069 Mrd. € ähnlich hoch wie in Deutsch­land (2.147 Mrd. €), doch ist die Wirt­schafts­kraft des Landes um 40% kleiner. Ohne die Kredite von der Euro­päischen Zentral­bank (EZB) wäre Italien zahlungs­unfähig.

Auch Griechenland, Portugal und Irland sind von den Krediten der EZB abhängig, es sind aber vergleichs­weise kleine Länder.

Besonders schnell steigen die Schulden seit Jahren in Frankreich, dem zweit­größten Land der Euro-Zone: Um 20% inner­halb von vier Jahren.

Aber wirklich extrem ist die Entwick­lung in Spanien: Dort hat sich die Verschul­dung innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt: von 40 auf 93% gemessen am BIP.



Belgien 101,5%
Bulgarien 18,9%
Tschechien 46,0%
Dänemark 44,5%
Deutschland 78,4%
Estland 10,0%
Irland 123,7%
Griechenland 175,1%
Spanien 93,9%
Frankreich 93,5%
Kroatien 67,1%
Italien 132,6%
Zypern 117,7%
Lettland 38,1%
Litauen 39,4%
Luxemburg 23,1%
Ungarn 79,2%
Malta 73,0%
Nieder­lande 73,5%
Österreich 74,5%
Polen 57,0%
Portugal 129,0%
Rumänien 38,4%
Slowenien 71,7%
Slowakei 55,4%
Finnland 57,0%
Schweden 40,6%
Groß­britannien 90,6%

Das folgende Diagramm (Zahlen noch von 2011!) erschließt sich erst auf den zweiten Blick, ist aber sehr aufschluss­reich. Dargestellt werden für die größeren EU-Staaten sowohl die Defizite 2011 als auch die Gesamt­verschuldung Ende 2011. Die Defizite sind in der Waage­rechten eingetragen: Je weiter ein Land links steht, umso größer war das Defizit. Und die Gesamt­verschuldung ist in der Senk­rechten zu erkennen: Je tiefer ein Land steht, umso mehr Schulden hat es angehäuft. Alle Zahlen sind in Prozent vom BIP. Die Länder der Euro-Währungsunion sind rot gekennzeichnet. Der grüne Bereich ist die Maastricht-Zone: Bis zu 3% Defizit und 60% Gesamt­verschuldung sind in der Währungs­union erlaubt.

Der Vertrag von Maastricht ist end­gültig gescheitert. Die Staats­verschuldung Europas ist außer Kontrolle geraten. Schon zu Beginn der Euro-Währungs­union lag die Schuldenquote bei 70%, Ende 2013 waren es 92%. Die Schulden und sogar die Schuldenquote steigen auch in Zeiten guter Konjunktur.

Von den vier großen Volkswirtschaften der Euro-Zone (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien) ist die Entwicklung in dreien vollkommen desolat.

Die Euro­päische Zentral­bank wacht nicht mehr nur über die Stabi­lität der Währung, sondern finanziert auch die Schulden der ersten Staaten. Vielen euro­päischen Politikern erscheint das als gang­barer Ausweg. Die erste Billion, um die die Geld­menge jetzt ausgeweitet wurde, wird daher nicht die letzte bleiben.
Stand: Mai 2014