Ausland: Europa

Auch die meisten anderen europäischen Staaten sind hoch verschuldet, am höchsten Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Belgien.

Beim Vergleich der Staats­verschuldung verschie­dener Länder muss man berück­sichtigen, dass die Volks­wirtschaften verschieden groß sind. Deshalb wird die aufgelaufene Gesamt­verschuldung nicht in absoluten Geld­beträgen verglichen, sondern als "Schuldenquoten" in Beziehung zum Brutto­inlandsprodukt (BIP) gesetzt. Nach den Maastricht-Kriterien für die EURO-Währungsunion darf die Gesamt­verschuldung 60% des BIP nicht übersteigen. - Für den 31.12.2012 nennt die Europä­ische Union folgende Zahlen (Quelle 32):

Euro-Zone gesamt 90,6% Im Jahre 2012 ist die Staats­verschuldung in Europa weiter stark gestiegen. Die Euro-Währungs­union hat sich seit den drama­tischen Ereig­nissen vom 09.05.2010 faktisch zu einer Haftungs­gemein­schaft entwickelt, daher ist heute die Entwick­lung in der Euro-Zone für Deutsch­land wichtiger als die Verschul­dung in Deutsch­land selbst.

Die Staats­schulden in Italien sind mit ca. 2.000 Mrd. € sind ähnlich hoch wie in Deutsch­land (2.166 Mrd. €), doch ist die Wirt­schafts­kraft des Landes um ein Drittel kleiner. Ohne die Kredite von der Euro­päischen Zentral­bank (EZB) wäre Italien zahlungs­unfähig.

Auch Griechenland, Portugal und Irland sind von den Krediten der EZB abhängig, es sind aber vergleichs­weise kleine Länder.

Besonders schnell steigen die Schulden seit Jahren in Frankreich, dem zweit­größten Land der Euro-Zone: Um 22% inner­halb von vier Jahren.

Aber wirklich extrem ist die Entwick­lung in Spanien: Dort hat sich die Verschul­dung innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt: von 40 auf 84% gemessen am BIP. Dafür hat Deutsch­land 27 Jahre gebraucht.



Belgien 99,6%
Bulgarien 18,5%
Tschechien 45,8%
Dänemark 45,8%
Deutschland 81,9%
Estland 10,1%
Irland 117,6%
Griechenland 156,9%
Spanien 84,2%
Frankreich 90,2%
Italien 127,0%
Zypern 85,8%
Lettland 40,7%
Litauen 40,7%
Luxemburg 18,2%
Ungarn 79,2%
Malta 72,1%
Nieder­lande 71,2%
Österreich 73,4%
Polen 55,6%
Portugal 123,6%
Rumänien 37,8%
Slowenien 54,1%
Slowakei 52,1%
Finnland 53,0%
Schweden 38,2%
Groß­britannien 90,0%

Das folgende Diagramm (Zahlen noch von 2011!) erschließt sich erst auf den zweiten Blick, ist aber sehr aufschluss­reich. Dargestellt werden für die größeren EU-Staaten sowohl die Defizite 2011 als auch die Gesamt­verschuldung Ende 2011. Die Defizite sind in der Waage­rechten eingetragen: Je weiter ein Land links steht, umso größer war das Defizit. Und die Gesamt­verschuldung ist in der Senk­rechten zu erkennen: Je tiefer ein Land steht, umso mehr Schulden hat es angehäuft. Alle Zahlen sind in Prozent vom BIP. Die Länder der Euro-Währungsunion sind rot gekennzeichnet. Der grüne Bereich ist die Maastricht-Zone: Bis zu 3% Defizit und 60% Gesamt­verschuldung sind in der Währungs­union erlaubt.

Der Vertrag von Maastricht ist end­gültig gescheitert. Die Staats­verschuldung Europas ist außer Kontrolle geraten. Schon zu Beginn der Euro-Währungs­union lag die Schuldenquote bei 70%, Ende 2011 waren es 87%. Alle Länder der Währungs­union außer Finnland verletzen die Regeln.

Die Euro­päische Zentral­bank wacht nicht mehr nur über die Stabi­lität der Währung, sondern finanziert auch die Schulden der ersten Staaten. Vielen euro­päischen Politikern erscheint das als gang­barer Ausweg. Die erste Billion, um die die Geld­menge jetzt ausgeweitet wurde, wird daher nicht die letzte bleiben. Es deutet vieles auf eine kommende Inflation.
Stand: Oktober 2013