Ausland: Japan

Japan hat ebenso wie Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ein lang anhal­tendes Wirtschafts­wunder erlebt. Anfang der 90er Jahre kam es aber zu einer schweren Wirtschafts­krise mit deflato­rischen Tendenzen. Wechselnde Regierungen bemühten sich, der Krise mit immer neuen Konjunktur­programmen Herr zu werden.

Dabei wurde auf die Staats­verschuldung wenig Rücksicht genommen. Unter den großen Volks­wirtschaften ist die Verschuldung des japanischen Staats ohne Beispiel. Sie lag Ende 2009 bei 192% des Brutto­inlandsprodukts (Quelle 24)! Das ist nach Zimbabwe der zweit­höchste Stand auf der Welt und zu dem Zeitpunkt fast dreimal so hoch wie in der EU und den USA.

Unter einem wichtigen Aspekt ist diese Zahl besonders aufschluss­reich: Ab wann verlieren die Gläubiger das Vertrauen, dass der Staat die Zinsen und Tilgungen pünktlich bezahlen kann?

Bei den Rating-Agenturen, die die Kredit­würdig­keit von Schuldnern beurteilen, hat der japanische Staat einen schlechten Ruf. Die Ratings sind deutlich schlechter als die der meisten europäischen Länder und der USA. Dennoch gelingt es Japan bisher, die Staats­verschuldung zu finanzieren, und zwar insbeson­dere mit Hilfe inländischer Gläubiger.

Das ändert aber nichts daran, dass alle diese Staaten sich finanziell knebeln und dadurch einen Teil ihrer Handlungs­fähigkeit einbüßen.

Stand: Januar 2012