Das italienische Dilemma


In der gegenwärtigen Finanz­situation des italie­nischen Staats wird deutlich, wie unglaublich lang­fristig die Auswirkungen von hoher Staat­sverschuldung sind. Die jetzigen Schwierig­keiten beruhen nämlich auf dem Schulden­aufbau bis 1993!

Dazu muss man verstehen, was der Primär­saldo ist. So wird er jährlich errechnet:

Staatseinnahmen, insbesondere aus Steuern
minus Staatsausgaben, aber ohne Zinsen
= Primärüberschuss bzw. Primärdefizit
minus Zinsen
= Haushaltsüberschuss bzw. Haushaltsdefizit

Der Primärsaldo kennzeichnet also, wie der Staat in diesem Jahr gewirt­schaftet hat, blendet aber die Zinsen aus. Das Besondere an Italien: Seit 1993 hat der Staat Jahr für Jahr einen Primärüberschuss erzielt (Quelle­45), also im Grunde genommen gut gewirt­schaftet! Wäre Italien damals schulden­frei gewesen, hätte es auch heute keine Schulden.

Tatsächlich aber waren Jahr für Jahr die Zinsen so hoch, dass sie den Primär­überschuss aufge­fressen und darüber hinaus zu einem Haushalts­defizit und ständig steigender Gesamt­verschuldung geführt haben.

Das ist der Teufelskreis der Schulden: Das Bedienen der alten Schulden führt dazu, dass neue Schulden gemacht werden. Und zudem ist das extrem ungerecht gegenüber den Jüngeren: Sie erben die Schulden der Alten.

Belgien dagegen hat das Kunststück fertiggebracht, aus diesem Loch zu entkommen. In den 10 Jahren nach 1997 wurde die Schulden­quote von fast 125% auf 85% gedrückt (Quelle­46) - die Primär­salden waren höher als die Zinsen.

Stand: 01.11.2018