Verschuldung, Zahlungsunfähigkeit, politische Krise
Der Untergang der DDR war in erster Linie eine politische Krise: Der von der SED aufgebaute Machtapparat brach zusammen. Die politische Führung hätte versuchen können, den Aufstand mit militärischer Gewalt niederzuschlagen. Sie hat dies dankenswerter Weise nicht getan.
Im Hintergrund stand aber eine schwere wirtschaftliche Krise. Die DDR war an ihrem Ende hoch verschuldet. Sie hat ihre Zahlungspflichten erfüllt, sie war also nicht zahlungsunfähig. Aber die Zahlungsunfähigkeit war absehbar. Der Kronzeuge hierfür ist Günter Mittag, der langjährige Cheflenker der DDR-Planwirtschaft. 1991 sagte er in einem Spiegel-Interview (Quelle 10):
"Ohne die Wiedervereinigung wäre die DDR einer ökonomischen Katastrophe mit unabsehbaren sozialen Folgen entgegengegangen, weil sie auf Dauer allein nicht überlebensfähig war. ... Man denke nur, angesichts der schwierigen Lage in der Sowjetunion, was heute hier los wäre, wenn es die DDR noch gäbe. Unbeschreiblich. Da läuft es mir heiß und kalt über den Rücken. Mord und Totschlag, Elend, Hunger. Es reißt mir das Herz kaputt."
Die historische Lehre der DDR-Wirtschaftspolitik ist daher:
Langfristig dürfen die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen.