Geld­scheine von 1923

Stich­worte zur Geschichte der Staats­verschuldung

Ab dem 13. Jahrhundert: Reiche Fern­handels­häuser in Ober­italien beginnen, ihr Kapital bankmäßig zu verleihen, unter anderem an Fürsten. Hinter­grund sind oft Kriege, für die der Fürst nicht genug Geld hat.

15. und 16. Jahrhundert: Von Florenz aus finanzieren die Medici Fürsten in ganz Europa und verschiedene Päpste. 1519 bezahlen die Augsbuger Fugger die Wahl eines Habsburgers zum deutschen Kaiser. Im Gegenzug erlangen die Darlehens­geber jeweils politischen Einfluss sowie Zugriff auf riesige staatliche Vermögen und Einnahmen.

1715-1720: Nach dem Tod Ludwigs des XIV. von Frankreich hat der Staat 3 Mrd. Livres Schulden - etwa das 20-fache seiner jährlichen Einnahmen. Die staatliche Münz­anstalt wird an den Kaufmann John Law verkauft. Dieser lässt Bank­noten über 2,6 Mrd. Livres drucken und ruiniert damit die Währung.

1740-1786: Friedrich der Große von Preußen ist die unge­wöhnliche Ausnahme seiner Zeit. Während die Länder ringsum insbeson­dere im Krieg Schulden aufhäufen, sammelt er systematisch einen Schatz an, um die Unab­hängig­keit Preußens zu sichern. Seinem Nachfolger hinterlässt er die damals riesige Summe von 51 Mio. Talern (Quelle 21).

1789-1896: In der franzö­sischen Revolution werden "Assignaten" ausgegeben, die durch den Wert der beschlag­nahmten kirch­lichen Güter gedeckt sein sollen. Doch werden sie bald in so ungeheurer Menge gedruckt, dass die Währung zusammen­bricht. Am Ende werden die Druckstöcke und Matrizen auf einem Scheiter­haufen verbrannt.

1871-1914: Das Deutsche Reich in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war zeitweise schulden­frei. Im Juliusturm in der Zitadelle von Berlin-Spandau wurde der "Reichs­kriegs­schatz" verwahrt. Dabei handelte es sich allerdings nicht um Ersparnisse, sondern um von Frankreich gezahlte "Kriegs­entschädigung".

1914-1923: Vor Beginn des Ersten Weltkriegs hat das Deutsche Reich ca. 5 Mrd. Mark Schulden. Zur Finanzierung des Krieges werden 47 Mrd. Mark neues Geld gedruckt und Anleihen von annähernd 100 Mrd. Mark verkauft. Das Ergebnis: bizarre Hyper­inflation im Jahre 1923, dann Währungs­reform. Der Staat ist befreit von allen Schulden. Die Sparer aber verlieren ihr gesamtes Vermögen - und dazu das Vertrauen in die Weimarer Republik. Auf diese Weise bereitet die Staats­verschuldung des Kaiser­reichs den Boden für Hitler.

1923-1933: Um eine neue Inflation zu verhindern, werden die Staats­ausgaben gedrosselt. Als 1929 die Welt­wirtschaft­krise einsetzt (Schwarzer Freitag an der New Yorker Börse), verstärkt diese Politik die Krise und trägt zu Massen­arbeits­losigkeit bei. Verzweifelte Wähler wenden sich in Scharen den National­sozialisten zu.

1933-1948: Nach der Macht­ergreifung erhöhen die National­sozialisten sofort die Staats­ausgaben, um die Arbeits­losig­keit zu bekämpfen und um den Krieg vorzubereiten (Aufrüstung). Ohne Rücksicht auf die Folgen wird die Geld­menge unter anderem durch Mefo-Wechsel erhöht. Nach dem Krieg ist das Geld erneut wertlos. 1948 muss wieder eine neue Währung eingeführt werden, in der Bundes­republik die D‑Mark, in der DDR die Mark der DDR. Einmal mehr haben die Sparer alles verloren, und der Staat ist weitgehend schulden­frei.

ab 1948: In den Anfangs­jahren der Bundes­republik werden unter Finanz­minister Schäffer Haushalts­über­schusse erwirt­schaftet. In Anspielung auf die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg werden diese wiederum "Juliusturm" genannt. Ab 1955 beginnt das ständige Schuldenmachen, das bis heute angehalten hat.

Stand: Februar 2010