Geldscheine von 1923
Der Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Inflation
Staatsverschuldung kann zu
Inflation führen, muss es aber nicht. Es kommt darauf an, ob die
Geldmenge vergrößert wird. Dafür gibt es in der
Geschichte zahllose Beispiele, insbesondere im Zusammenhang mit Kriegen.
Anders als in früheren Jahrhunderten wird die Geldmenge heute ständig beobachtet und gesteuert. Dafür zuständig sind die
Zentralbanken. Diese arbeiten in den meisten Industriestaaten verhältnismäßig
unabhängig von der Regierung. Dank der Europäischen Union gibt es mit der Europäischen Zentralbank sogar eine Institution für mehrere Länder gemeinsam, auf die eine einzelne Regierung noch weniger Einfluss hat.
Es kommt entscheidend darauf an, wie die Zentralbank sich verhält. Wenn sie neues Geld erzeugt und damit Papiere der Staatsverschuldung kauft, vergrößert sie die Geldmenge und beschwört eine Inflation herauf. Darum ist genau dies der Europäischen Zentralbank
verboten (
Quelle 19). So soll verhindert werden, dass einzelne nationale Regierungen Schulden machen und durch die Ausgabe von neuem Geld bezahlen. -
Ergänzung vom 10.05.2010: Genau dies ist seit heute der Europäischen Zentralbank erlaubt!
Aber auch wenn andere Gläubiger als die Zentralbank diese Papiere kaufen, erhöht dies in vielen Fällen die Geldmenge. Mit diesen Papieren direkt kann man zwar keine Waren oder Dienstleistungen kaufen. Aber man kann sie als Sicherheit für einen
Kredit verwenden, und mit diesen neuen Kreditmitteln ist der Kauf von Waren und Dienstleistungen möglich. Es geht um Beträge, die nennenswerten Einfluss auf die Geldmenge haben. In der Euro-Zone beträgt die Geldmenge ca. 9.400 Mrd. €, die Gesamtverschuldung aller dieser Staaten ca. 6.400 Mrd. €.
(Gefahr für die Währung droht noch aus einer anderen Ecke, nämlich wenn sie die Zentralbank von der Regierung zu gezielter
Konjunkturpolitik veranlassen lässt. Die Zentralbanken können das Wirtschaftswachstum erleichtern, indem sie den Banken große Kredite zu niedrigen Zinsen geben und damit die Geldmenge erhöhen. Die Banken können damit den Unternehmen und Privatleuten leichter Kredit geben. Wenn dies zu stark geschieht, verliert die Währung an Wert. – Das ist dann aber eine Folge von Konjunkturpolitik, nicht von Staatsverschuldung.)
Der Zusammenbruch der Währung könnte möglicherweise vermieden werden durch die Einführung eines
Staatsinsolvenzverfahrens.
Stand: August 2010